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Interessant! Nach meinem Empfinden ist die Energiebranche durchaus wach geworden. Es werden Marken- und Marketing-Strategien entwickelt, Kommunikationskonzepte eingeführt und neue Vermarktungsansätze getestet. In den meisten Fällen soll es State-of-the-Art sein. Neurolinguistische Programmierung, Neuromarketing, Web 2.0, War Gaming – mit viel Aufwand werden Lösungen gesucht. Wenn es dann zur Umsetzung kommt, ist es aber egal, ob es „günstige“, „faire“ oder „attraktive“ Preise sind.

Doch genau darin liegt ein großes Problem. Denn modernes Marketing und moderner Vertrieb erfordern ein Höchstmaß an Genauigkeit und Disziplin. Kunden lassen sich nicht mehr nur durch Hochglanzwerbung und eingängige Slogans gewinnen. Unternehmen und Marken sind dann erfolgreich, wenn sie den Kunden dauerhaft überzeugen. Doch das funktioniert nur, wenn alle Kundenkontaktpunkte gleich und konsistent ausgerichtet werden. Kunden müssen (und wollen) den Slogan und damit verbundene Nutzenversprechen auch glauben können. Das können sie aber nur, wenn der Versorger auch den Beweis erbringt, dass dieses Nutzenversprechen eingelöst wird. Das gelingt nicht, wenn sich ein Versorger als „fairer“ Anbieter in Anzeigen und Plakaten präsentiert, der Verkaufsprospekt aber mit dem Attribut „günstig“ wirbt und die letzte Pressemitteilung über die „attraktiven“ Produkte berichtet.

Dieses kurze Beispiel verdeutlich aber auch, dass Perfektion keine Anforderung an eine bestimmte Hierarchie-Ebene oder gar nur an die operativen Ebene ist. Denn auch die operative Ebene kann nur perfekt funktionieren, wenn die Ebene darüber die Richtung akkurat und präzise vorgibt. Bis hin zur Geschäftsführung, die das gesamte Unternehmen ausrichten und letztendlich penibel darüber wachen muss, dass diese Ausrichtung auch im gesamten Unternehmen ankommt.

Ebenso hat Perfektion eine zeitliche Dimension. Denn häufige Richtungswechsel und innovative Ideen, die nicht aus dem eigentlichen Vorhaben entsprungen sind, gefährden eine präzise Umsetzung. Um seine Wirkung beim Kunden zu entfalten, brauchen Konzepte – gerade in Marketing und Vertrieb – ihre Zeit. Ein Punkt, der dem ungeduldigen Manager häufig nicht gefällt. So wird häufig „das Ruder herumgerissen“, wenn sich keine schnellen Erfolge zeigen. Doch wenn man das häufiger tut, dann kommt man eher ins Schlingern, als dass man sein Ziel erreichen würde. So sollten entwickelte Maßnahmen sauber ausgesteuert werden, gerade dann, wenn die Zielerreichung im Risiko steht.

Auch durch diese Ausführung offenbart sich eine weitere Ebene der Perfektion: Die Entscheidung an sich. Immer wieder erlebe ich es, dass selbst weitreichende Entscheidungen nicht auf Basis einer soliden Entscheidungsgrundlage sondern aus dem Bauch heraus getroffen werden. Dabei geht es mir nicht darum, Risikofreude und schnelle Entscheidungen zu verurteilen. Dennoch sollte einem Manager klar sein, welches Risiko er eingeht und wie er damit im Risikofall umgehen möchte. Das kann er aber nur, wenn er eine solide Entscheidungsgrundlage hat und die Alternativen kennt. Zusätzlich muss eine Entscheidung zu Ende gedacht werden: Worauf hat die Entscheidung einen Einfluss, wer ist alles betroffen, wer muss involviert oder zumindest informiert werden? Das Beantworten dieser Fragen wird häufig delegiert – nach der Entscheidung. Doch damit erstickt man Perfektionismus im Keim, da zunächst eine Phase der Irritation und Improvisation ausgelöst wird.

All diese Anregungen sollen nicht hemmen. Im Gegenteil: Für mich ist Leidenschaft und Engagement eine zwingende Voraussetzung für Perfektion. Und die Chance mit Perfektion zum Erfolg zu kommen, schätze ich deutlich höher ein, als mit Improvisation erfolgreich zu sein. Also werden Sie Perfektionist. Und wenn sie anfangen die Büroklammern nach Farbe zu sortieren, wissen Sie, dass Sie zu weit gegangen sind.

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