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Digitalisierung ist ein Stichwort, dass aktuell auf keiner Tagung der Energiewirtschaft fehlen darf. Es werden Apps für Stadtwerke vorgestellt, Smart Meter Standards diskutiert und Abrechnungssysteme kritisiert. Doch einen umfassenden Ansatz zum Integrieren der Digitalisierung in das Geschäftsmodell der Energieversorger, scheinen bisher die wenigsten zu haben.

Betrachtet man die heutigen Geschäftsmodelle von Energieversorgern, so lassen sich die gewinntreibenden Elemente in ihrem Kern auf das Abrechnen von Strom und Gas reduzieren. Natürlich werden hierfür sehr spezielle Fähigkeiten benötigt, um dies zu bewerkstelligen. Aber aus Kundensicht ist es im Wesentlichen die Rechnung, die der Versorger erstellt. Dafür nutzt der Versorger einen analogen Zähler, dessen Verbrauchsstände manuell abgelesen werden müssen. Umso erschreckender ist der Umstand, dass die Technologie, die für das Erbringen dieser Kernleistung (der Rechnung) von Versorgern eingesetzt wird, es in den allermeisten Fällen nicht einmal zulässt, dass eben diese Rechnung frei gestaltbar und somit auf die Bedürfnisse des Kunden leicht angepasst werden kann. Doch damit hat sich die Branche abgefunden. Ebenso mit der Tatsache, dass Produkte, von denen man ausgeht, dass sie Kunden einen Mehrwert bieten, nicht oder nur mit extrem hohem Aufwand umgesetzt werden können, weil die eingesetzte Technologie diese nicht abrechnen kann. So entfachen regelmäßig interne Machtkämpfe zwischen IT-Abteilungen und Vertriebsabteilungen, die sich nicht selten zu handfesten Grabenkämpfen entwickeln.

Dabei ist die Grundlage dieser Konflikte schon falsch. IT – und damit auch das Thema Digitalisierung – muss ein grundsätzlicher Bestandteil der Geschäfts- und Marktstrategie des Versorgers sein. Denn die Energiewirtschaft ist nicht die einzige Branche, die das Thema Abrechnung im Dauerschuldverhältnis beherrscht. Neben der Telekommunikation sind da vor allem Internetunternehmen zu nennen, die aktuell Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln und – so scheint es mir – nur auf den richtigen Zeitpunkt warten, um in den Energiemarkt einzusteigen. Hinzu kommt, dass die Branche immer noch den Zähler für das verbindende Element zum Kunden hält. Doch dieser Zähler befindet sich in aller Regel nicht einmal in der Wohnung des Kunden. So besteht eine große Gefahr, dass etwa Unternehmen, die Heizungstechnik über WLAN steuern, ebenfalls in die Abrechnung von Energie einsteigen. Denn diese Unternehmen machen sich bereits das Internet als verbindende Element zum Kunden zu eigen. Und das mit echten Mehrwerten für die jeweilige Zielgruppe.

Um diesen Trend entgegenzuwirken, werden die aktuellen Maßnahmen der Energieversorger kaum reichen. Apps, Smart Home-Lösungen und Online-Kunden-Portale sind zwar erste Schritte in Richtung Digitalisierung, aber leider fehlt ihnen in den meisten Fällen der strategische Bezug zum Geschäftsmodell und damit auch eine gewisse, zielorientiert Zugkraft. Ebenso wird häufig der Wettbewerb nicht berücksichtigt. So mag eine Stadtwerke-App zwar aus Stadtwerke-Sicht einen tollen Funktionsumfang bieten, es stellt sich aber die Frage, ob diese Funktionen nicht bereits von anderen, intensiver vermarkteten Apps bereits besser erfüllt werden. Es würde sich also lohnen, bei der nächsten strategischen Runde die IT mit einzubeziehen. Dabei müssen Anforderungen an die Systemstrukturen und die damit verbundenen Investitionen rational betrachtet werden. Sie stehen damit in direkter Konkurrenz zu anderen Investitionen wie z.B. die in erneuerbare Energien. Denn wenn langfristig die Geschäftsgrundlage gefährdet wird, weil nicht genügend Know-How und Geld in die Digitalisierung investiert wurde, kann man nur hoffen, dass die Renditen aus den anderen Investitionen den Energieversorger tragen können.

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