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Zunächst einmal: Entschuldigung. Entschuldigung dafür, dass auch ich es mir nicht verkneifen kann, irgendwie eine Verbindung zur WM herzustellen. Aber in dieser Woche haben mich zwei Dinge umgetrieben. Das eine war ein Gespräch mit einem Kollegen, der mir schilderte, dass er das Gefühl habe, die Energiebranche wäre aktuell in eine Art Dornröschen-Schlaf verfallen. Das andere war das Ausscheiden von Spanien. Das erstaunliche: Es lässt sich eine Verbindung ziehen.

Die jüngste Vergangenheit der spanischen Nationalmannschaft kann sich sehen lassen: Europameister 2008 – Weltmeister 2010 – Europameister 2012 – seit 5 Jahren Nummer 1 der Weltrangliste. Die Spielweise und damit auch deren Taktik, das Tiki-Taka-Spiel, wurde weltweit bewundert und schien ein Garant für den Erfolg zu sein. Warum also etwas ändern? Ähnlich scheinen sich gerade viele Energieversorger zu fühlen. Die Kündigerquoten gehen zurück. Die Zufriedenheitswerte bei den jährlichen Kundenbefragungen scheinen stabil zu sein. Warum also etwas ändern?

Die Antwort liefert das frühe Ausscheiden der Spanier. Denn das Problem ist: Die Wettbewerber wollen sich einfach nicht mit ihrem Schicksal abfinden. Und so gut das spanische Spiel auch war, Spanien hat vergessen sich weiterzuentwickeln. So sind sie mit den gleichen Spielern und den gleichen taktischen Vorgaben in das Turnier gegangen. Nur haben andere Mannschaften Mittel und Wege aufgedeckt, das spanische Spiel empfindlich zu stören. Jetzt wird der ein oder andere unter den Lesern vielleicht sagen: „Kann ja alles sein, aber in unserem Markt ist weit und breit kein Holland und auch kein Chile zu sehen.“ Ich kann Ihnen aber versichern: Spanien hat Chile auch nicht gesehen!

Bisher haben viele Energieversorger bei Anzeichen von einem aufkommenden „Chile“ mit einem gewissen hektischen Aktionismus reagiert. Es wurden hier die AGB geändert, eventuell dort mal ein neues Produkt geschaffen. Die Kundenzeitschrift wurde modernisiert oder man hat in der Werbung die Key-Visuals ausgetauscht. Am großen Ganzen, am strategischen Konzept wurde allerdings nur in den seltensten Fällen gearbeitet. So hat auch der spanische Trainer nach der 1:5 (!) Niederlage gegen die Niederlande reagiert. Xavi (ein Mittelfeldspieler und über Jahre der Taktgeber der spanischen Mannschaft) bleibt auf der Bank. Damit hat er eine isolierte Maßnahme ergriffen, die vielleicht auch hätte funktionieren können. Sie hätte aber nie gereicht, um das Turnier zu gewinnen. Denn mit kleinen Umstellungen ändert man ein Konzept nicht. So mag es manchmal helfen, um eine akute Krise zu bekämpfen. Dadurch wird man aber nicht nachhaltig erfolgreich.

Genauso verhält es sich auch in der Energiewirtschaft. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Sie die letzte Krise mit einer einzelnen Maßnahme doch gut gemeistert haben. Nutzen Sie vielmehr die „ruhigen“ Zeiten, um Ihre Maßnahmen und Konzepte noch besser aufeinander abzustimmen, alte Fehler auszumerzen und neue Konzepte für die Zukunft auszuarbeiten. Denn wenn es „gut läuft“ haben Sie kaum Risiko, um neue Dinge zu probieren. Ihre Zukunft wird nicht davon abhängen, ob die neue Maßnahme greift oder auch nicht. Um auch hier eine Parallele zu ziehen: Handeln Sie wie die deutsche Nationalmannschaft. Bewusst werden hier Dinge erprobt, die für viele – insbesondere die Presse – überraschend sind. So werden relativ unbekannte Spieler altbekannten vorgezogen. Das Spielsystem wird permanent weiterentwickelt. Ob das reicht, um Weltmeister zu werden, bleibt abzuwarten. Es reicht aber, um stets modernen Fußball auf Top-Niveau zu spielen, ohne Sorge haben zu müssen, einen Absturz zu erleben. Also nutzen Sie diesen Moment, um sich zu verbessern und um auf turbulente Zeiten vorbereitet zu sein.

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