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Verlassen Sie sich bei wichtigen Entscheidungen auf Ihr Bauchgefühl? Kein Grund zum Schämen! Auch in einer vermeintlichen Welt voller rationaler Entscheidungen kann das Bauchgefühl durchaus Sinn machen. Aber in neuen, uns unbekannten Situationen wie der Corona-Krise gibt es auch gute Gründe NICHT auf den Bauch zu hören.

Der Bauch ist auch im Hirn

Für Entscheidungen verarbeiten wir alle Informationen. Doch unser Hirn verwendet hierfür zwei unterschiedliche Wege. Die bewusste Informationsverarbeitung (das „Hirn“) und die unbewusste Informationsverarbeitung (der „Bauch“).

Kahneman nennt diese beiden Wege „schnelles Denken“ (Bauch) und „langsames Denken“ (Hirn). Beim schnellen Denken präsentiert Ihnen Ihr Hirn keine konkrete Lösung. Es präsentiert Ihnen ein Gefühl. Bei Entscheidungen ist das häufig das sogenannte Bauchgefühl.

So werden auch andere Emotionen erzeugt. Ganz interessante Randnotiz: Ein finnisches Forscherteam hat sich mal daran gemacht, unsere Gefühle im Körper zu kartographieren. Aber immer liegt diesen Informationen eine unterbewusste Informationsverarbeitung zu Grunde.

Das hat auch gute Gründe: Wenn Ihnen im Fußballstadion ein Ball direkt auf Ihr Gesicht zufliegt, dann wäre es ungünstig, wenn Sie zunächst alle Optionen abwägen und dann entscheiden. Wenn Ihnen aber Ihr Bauch sagt: „Duck‘ Dich!“ haben Sie noch eine gute Chance auszuweichen.

Entscheidungen aus dem Bauch

Es gibt also Situationen, da ist das Bauchgefühl eine gute Sache. Aber auch nicht immer. So hat unser Bauchgefühl bzw. unser Gehirn einen entscheidenden Nachteil: Es ist komplett auf Effizienz getrimmt. Es wird also immer versuchen, mit so wenig Aufwand wie möglich zu entscheiden.

Das ist auch ein Grund, warum wir lieber auf unseren Bauch hören als auf unseren Kopf. Das bewusste Denken strengt uns schlichtweg mehr an. Nicht umsonst nennt Kahneman es ja auch langsames Denken.

Nun mögen Sie denken: Ist doch toll, wenn die Evolution in uns so eine Effizienz ausgeformt hat. Aus Sicht eines Managers sicher richtig. Aber diese Effizienz haben wir uns durch Vereinfachungen erkauft. Und genau diese Vereinfachungen „verzerren“ unser Bauchgefühl.

So haben wir alle ein grundlegendes Bestreben nach Konsistenz. Denn unser Hirn mag Widersprüche überhaupt nicht. Sie würden ja bedeuten, dass man etwas in Frage stellt. Also werden Informationen so interpretiert, dass Sie zu dem bisher gelernten passen.

Und da sowohl das bewusste Denken als auch das unbewusste Denken im gleichen Hirn stattfindet, möchte unser bewusstes Denken auch gerne dem Bauchgefühl glauben. Kahneman drückt es in etwa so aus: „Unser Bauch konstruiert eine Geschichte und unser Hirn glaubt sie.“

Entscheidungen basieren immer auf Informationen

Wenn nun aber auch Bauchentscheidung auf vorhandenen, von uns zuvor gelernten Informationen basieren – wie können wir dann in Situationen aus dem Bauch heraus entscheiden, in denen wir vorher noch nie gesteckt haben? Zum Beispiel eine Situation wie die Corona-Krise?

Allein diese Frage aber mag ja unser Hirn überhaupt nicht. Sie ist nämlich das ganze Gegenteil von Konsistenz. Sie stellt ja zunächst einmal alles in Frage. Deswegen meldet sich unser Bauch bei uns auch nicht mit einer Fehlermeldung.

Er bleibt weiter mit sich im Reinen. So signalisiert er zwar: „Hallo, ich habe eine ziemlich schnelle Lösung!“, er unterlässt es aber zu sagen: „Ich habe aber eigentlich auch keine solide Grundlage, auf der ich diese Lösung hergeleitet habe.“

Im Gegenteil: Unser Bauch wird nach Vereinfachungen suchen, nach nicht gültigen Analogien. Er wird unser Entscheidungsproblem in einfachere Fragestellungen umformulieren. Hierfür kann er nämlich dann auf Heuristiken zurückgreifen. Im Endeffekt wird unsere Entscheidung also starken Verzerrungen unterliegen.

In unbekannten Situationen hilft nur unser Hirn

Wenn uns also Erfahrungen für eine Situation fehlen, die Entscheidungsfindung eher komplex ist, die Tragweite der Entscheidung eher groß ist, dann sollten wir uns nicht nur auf unseren Bauch verlassen. Dann hilft uns nur intensives, mühsames Nachdenken und recherchieren.

Dass sich dies auszahlt, können Sie übrigens in meinem Podcast „Aus dem Maschinenraum für Marketing & Vertrieb“ hören. Hier berichtet Nora Stiller, Marketingdirektorin Asahi Brands Germany, lebhaft mit welchen Maßnahmen der Brauereikonzern der aktuellen Krise begegnet.

Übrigens: langsames Denken lässt sich auch sehr gut mit Sparringspartnern durchführen – und dafür stehen wir gerne jederzeit zur Verfügung.

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Über den Autor

Dr. Michael Stiller ist Impulsgeber und Umsetzer für die Themen Strategie, Marketing & Vertrieb. Seit über 20 Jahren berät er Unternehmen zu diesen Themen und scheut sich auch nicht Verantwortung – z.B. als Interim Manager – für die Umsetzung zu übernehmen. Seine Erfahrungen und Wissen teilt er hier und in seinem Podcast.

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