Es gibt in jeder Organisation diesen Moment, in dem man merkt: Wir reden zwar alle über „die Strategie“ – aber meinen wir wirklich dasselbe? Gerade in der Energiewirtschaft passiert das schnell. Viele Themen, viel Komplexität, viele Abhängigkeiten. Und dann sitzt das Führungsteam zusammen, diskutiert 90 Minuten und am Ende bleibt ein diffuses Gefühl: Irgendwie fehlt die Klarheit.

Genau deshalb arbeite ich seit Jahren mit einem Werkzeug, das verblüffend simpel aussieht – aber enorm kraftvoll ist: dem Mini‑Canvas.

Es zwingt uns zu etwas, das in strategischen Diskussionen oft verloren geht: auf drei Kernpunkte kommen. Keine Folienwüste, keine Überschriftenhierarchien. Drei Felder – und du weißt sofort, ob ihr eine gemeinsame Sicht habt.

Warum das Mini‑Canvas gerade in EVUs wirkt

Energieversorger stecken mitten in Veränderungen: neue Geschäftsmodelle, Kostendruck, Digitalisierung, Netzausbau, Kundenerwartungen, Regulierung. Die Themen sind komplex – aber die Kommunikation darf es nicht sein. Sonst verliert man Teams schon beim ersten Meeting.

Was im Alltag wirklich hilft, ist etwas, das wir schnell greifen und teilen können. Etwas, das Orientierung gibt, bevor wir über Projekte, Roadmaps oder KPIs sprechen.

Das Mini‑Canvas liefert genau das: eine erste Verdichtung. Eine gemeinsame Sprache, bevor man losrennt.

Wie es funktioniert – und warum es so gut funktioniert

Das Mini‑Canvas hat nur drei Fragen:

  1. Was?
    Was ist die eine strategische Aussage, auf die wir uns einigen wollen?
    Ein Satz. Nicht drei. Nicht sieben.
  2. Warum?
    Warum ist das wichtig? Warum jetzt? Welches Problem lösen wir damit?
  3. Wie?
    Welche zwei, drei Schritte starten wir zuerst – nicht alle, nur die ersten?

Das klingt schlicht – aber diese Schlichtheit ist der Hebel.
Erst wenn du diese drei Punkte klar hast, kannst du über alles andere reden: Aufbauorganisation, Produkte, Prioritäten, Ressourcen.

In Workshops erlebe ich oft, dass wir allein mit diesen drei Feldern eine enorme Beschleunigung hinbekommen. Und das Spannende: Führungskräfte merken schnell, wenn etwas „nicht passt“. Das Mini‑Canvas macht Unsauberheiten sichtbar, bevor sie sich im Alltag festsetzen.

Beispiel aus einem EVU

Ein Führungsteam aus zwölf Personen – viel Erfahrung, viele Perspektiven. Die Strategie war eigentlich klar formuliert, aber jeder hatte ein anderes Bild im Kopf, was das konkret bedeutet.

Wir haben 20 Minuten ins Mini‑Canvas investiert.
Erst der „Was?“-Satz. Dann das „Warum?“ ergänzt. Und zum Schluss die ersten „Wie?“-Schritte.

Der Effekt:
Nach einer Stunde gab es eine gemeinsame Storyline. Dinge, die vorher vage waren, wurden konkret. Diskussionen wurden einfacher, weil alle dieselbe Grundlage hatten.

Das ist die Kraft des Canvas: Es entlastet Führung – und schafft Orientierung.

So setzt du das Mini‑Canvas bei dir ein

1. Beginne jedes Strategiegespräch mit dem Mini‑Canvas

Vor jeder Entscheidung, jedem Priorisierungskonflikt, jedem Projektkickoff: einmal „Was–Warum–Wie“ gemeinsam füllen.
Du wirst überrascht sein, wie viel Zeit das spart.

2. Nutze das Mini‑Canvas als Führungsroutine

Alle 1–2 Wochen:
Was ist passiert?
Was hat funktioniert?
Was haben wir gelernt?
Du brauchst keine neue Präsentation – du aktualisierst einfach die drei Felder.

3. Verankere das Canvas im Team

Teams arbeiten besser, wenn sie wissen:
Was ist unser Fokus? Warum tun wir das? Wie fangen wir an?
Ein Mini‑Canvas pro Team schafft sofort Klarheit über Prioritäten.

4. Kombiniere es mit euren bestehenden Steuerungsinstrumenten

Ob OKR, Jahresplanung, Projektportfolio–Management: Das Mini‑Canvas ist kein Konkurrenzmodell. Es schafft nur den klaren Startpunkt, den viele Methoden voraussetzen – aber selten herstellen.

Der Ausblick: Wenn du tiefer einsteigen willst

Das Mini‑Canvas ist das Startwerkzeug.
Wenn man aber die gesamte Strategie als strategische Geschichte aufbauen will – mit klarer Ausgangslage, Dystopie, Zielbild und Reise – dann kommt das StrategyTelling‑Canvas ins Spiel.

Das große Canvas ist weniger ein Tool als ein Führungsansatz: Es verbindet Strategie, Kommunikation und Verhalten zu einer Story, die Menschen wirklich mitnimmt. Aber: Ohne Mini‑Canvas am Anfang wird selbst die beste Story unscharf.

Darum starten wir immer dort.
Das Mini‑Canvas ist die Basis.
Das StrategyTelling‑Canvas ist die Vertiefung.

Fazit

Strategiearbeit muss nicht schwer sein. Sie muss klar sein.
Und genau deshalb funktioniert das Mini‑Canvas so gut: Es zwingt uns auf den Punkt – und schafft Alignment, bevor wir loslaufen.

Wenn du merkst, dass Gespräche kreisen, dass Teams unterschiedlich interpretieren oder dass Entscheidungen zu langsam kommen: Fang mit einem Mini‑Canvas an. Es ist das einfachste, wirksamste Tool, das ich kenne.

Wenn du das Mini‑Canvas einsetzen möchtest

Ich stelle dir gerne meine Version zur Verfügung – kommentiere einfach oder melde dich direkt.

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